Jürg-Sven Scheidegger

Pflegeheim Auried

Einmal pro Monat findet im Pflegeheim Auried eine öffentliche und ökumenisch ausgerichtete Andacht statt (zum Zeil mit Abendmahl). Beginn jeweils um 10.00 Uhr, Dauer ca. 45 Minuten (zusätzlich werden auch noch zwei öffentliche Sonntags-Gottesdienste im Auried abgehalten).

Allen, die am Sonntag keine Zeit haben oder gerne unter der Woche einen Gottesdienst besuchen möchten, bietet sich hier die Gelegenheit dazu. Seien Sie herzlich willkommen!
Pfr. Jürg-Sven Scheidegger
Daten 2017 - immer mit Beginn um 10.00 Uhr!
11. Januar
08. Februar, mit Abendmahl
19. Februar / Sonntag / öffentlicher Gottesdienst / Musik: Gemischter Chor Kessibrunnholz / mit Apéro
08. März
12. April, mit Abendmahl
10. Mai
14. Juni
05. Juli, mit Abendmahl
09. August
13. August / Sonntag / öffentlicher Gottesdienst / Musik: Duo Gurtner, Riesen / mit Apéro
10. August
13. September
04. Oktober
08. November
06. Dezember, mit Abendmahl
13. Dezember / Mittwoch / Weihnachtsfeier, 15.30 Uhr / Musik: Mandolinen-Trio
Gedanken zur Andacht im Pflegeheim Auried
Die öffentliche Andacht im Pflegeheim Auried wird sowohl von reformierten, wie auch katholischen Gläubigen besucht wird – dabei schwankt die Anzahl Besucher/innen zwischen 25 und 40 Personen und besteht nicht ausschliesslich aus Heimbewohnern.

Diese Feiern werden von mir geleitet; ich darf aber jedes Mal auf die wertvolle Mithilfe von unserer Organistin, Frau Ursula Burkhardt, zählen sowie auf die ebenso wichtige Mitarbeit von Frau Heidi Fries, die die Lesung hält. Hier ein herzliches Dankeschön an die beiden Damen.

Diese Andacht unterscheidet sich nicht stark, aber dennoch von einem normalen Sonntags-Gottesdienst. Darum könnte man die Andacht auch „Gottesdienst“ nennen, da die Feier stark von der reformierten Gottesdienstliturgie – wie sie im Gesangsbuch der evangelisch-reformierten Kirche der deutsch-sprachigen Schweiz vorgestellt wird – geprägt ist. Dieser Ablauf ist die Richtschnur, an der wir uns orientieren.

Und doch gibt es Unterschiede, was vor allem mit den Besuchern und Besucherinnen zu tun hat: nicht wenige sind alt und betagt, einige dement.

Das bedeutet für den Gottesdienst, dass behutsam vorgegangen werden muss und das einfache Gotteswort gesprochen wird; d.h. eine intellektuell hochstehende Predigt würde keinen Sinn machen. Das wiederum bedeutet, dass die Sonntagspredigt nicht in der ursprünglichen Form im Pflegeheim verwendet werden kann. Sie muss umgeschrieben, vereinfacht werden. Auch eine Kürzung des Textes ist angezeigt.

Andere Elemente der reformierten Liturgie, wie Eingangsspiel oder Eingangs- und Grusswort, können grundsätzlich in derselben Form verwendet werden.

Bei den Liedern achte ich besonders auf bekannte Stücke: z.B. „Danke für diesen guten Morgen“, „Grosser Gott wir loben Dich“, „Laudate omnes gentes“, „Komm, sag es allen weiter“ oder andere Lieder, welche (sich) tief im Gedächtnis/Bewusstsein verwurzelt haben/sind. Diese Lieder werden denn auch mit Freude ab ausgeteiltem Liedblatt gesungen.

Das Morgengebet geht stellenweise auf die spezielle Situation der Heimbewohner/innen ein; Passagen mit „Wir danken Dir Gott, dass es uns heute morgen möglich war, aufzustehen“ oder „dass es uns möglich ist, gesund zusammen zu kommen“ sind zentrale Dankesbotschaften.
Der Predigttext sollte kurz gehalten werden, da es keinen Sinn macht, eine Textstelle mit 10 oder mehr Versen vorzulesen – viele Bewohner können dem nicht mehr folgen.

Gleich verhält es sich mit der Predigt: es soll eine einfache und das Herz ansprechende Sache sein. Immer wieder gehe ich dabei auf den reichen Erfahrungsschatz der Heimbewohner/innen ein, auf ihre Lebensweisheiten und spreche ihren langen Lebensweg an.

Die Fürbitte wird eher kurz gehalten. Den Abschluss bilden das Unser Vater, die Bitte um den Segen und das Orgel-Ausgangsspiel.

Es ist wichtig zu wissen, dass alte Menschen, denen manchmal wenig zugetraut wird, sowohl die meisten Lieder, wie auch das Unser Vater auswendig können.

Im Pflegeheim Auried wird für jede Andacht der gleiche Raum hergerichtet – in diesem finden im Heimalltag auch sonstige Anlässe statt. Es steht kein Raum zur Verfügung, welcher einzig und allein für sakrale Handlungen bestimmt ist. Der einzige Unterschied in diesem Raum von sakral zu profan ist die batteriebetriebene Kerze, welche bei den Andachten brennt.

Die Beleuchtung ist der Funktion angepasst. Es gibt eine grosse Fensterfront, wo reichlich Tageslicht einströmen kann. Oft leuchtet die Sonne direkt hinein, wenn wir uns dem Ende des Gottesdienstes nähern – so kann Bezug genommen werden auf das weitere Tagesprogramm der Bewohner (Einladung zum Spaziergang etc.). Im hinteren Teil gibt es 4 Fenster mit Glasmalerei. Der Raum hat eine gute Grösse: es hat Platz für 45–55 Leute; er ist nicht zu gross und nicht zu klein.
Ein Mikrofon steht nicht zur Verfügung, darum muss laut und deutlich gesprochen bzw. artikuliert werden. Es stehen ein Rednerpult und ein Elektropiano zum Gebrauch bereit; Heidi Fries sorgt für den Blumenschmuck.

Direkt vor uns sind die Heim-Bewohner/innen entweder auf Stühlen sitzend oder in Rollstühlen. Immer sind auch eine oder zwei Personen des Heimpersonals anwesend, um bei Problemen helfend einzugreifen.

Diese Gottesdienste sind eine erfreuliche Angelegenheit, weil die Personen, die der Veranstaltung folgen (und nicht einschlafen), voll und ganz dabei sind. Ich staune immer wieder, wie wach und fröhlich die Gesichter der Bewohner sind, wie sich die Mienen aufhellen.

Bezüglich Ruhe oder Unruhe präsentieren sich die Gottesdienste unterschiedlich: Meistens ist eine ruhige Atmosphäre vorherrschend, es gab aber auch Situationen, wo es schwierig wurde.

Mit dem Rednerpult bin ich immer ganz nah bei der feiernden Gemeinde und das schätze ich sehr. In der Kirche beträgt die Distanz von Pfarrer zur ersten Reihe der Kirchenbänke immerhin ca. 6–8 Meter – im Pflegeheim ca. 1 Meter! So ist der Kontakt zu den Leuten schnell hergestellt und ich kann direkt auf die Leute eingehen, kann sie direkt ansprechen. So stellt sich eine Atmosphäre ein, die ich als gelöst und heiter beschreiben möchte.

Zusammengefasst möchte ich folgendes sagen: die Altersheim-Gottesdienste orientieren sich an der Liturgie des Sonntags-Gottesdienstes, bewegen sich aber auf einer tieferen Ebene. Das Publikum ist bezüglich Aufmerksamkeit durchmischt: einige Leute schlafen während dem Gottesdienst ein, andere folgen der ganzen Feier mit grosser Aufmerksamkeit.

Das Wichtigste für die Teilnehmer/innen und Mitwirkenden ist aber, dass sich alle angenommen fühlen: es soll eine Atmosphäre vorherrschen, wo sich alle wohl fühlen / wo man darf und kann, aber nicht muss / wo Heiterkeit ihren Platz haben darf, wo Licht und Wärme nicht nur vermittelt werden, sondern sich in Wort , Gesang und Tat ausdrückt.

Das gelingt dem Team auch meistens – und wenn wir uns alle persönlich von-einander verabschieden, da sehen wir oft ein Leuchten in den Augen aller; und genau so soll es sein.
Bereitgestellt: 16.03.2017     Besuche: 16 Monat 
aktualisiert mit kirchenweb.ch